Ein Leitfaden für zukunftsfähige Arbeitsplätze Kay Sargent
1/ Welche Bedeutung für die kognitive Leistungsfähigkeit in unterschiedlichen Lebensphasen haben, im Zusammenhang mit Bodenbelag, Akustik und taktile Wahrnehmung sowie die Wärme des Materials?
In 10 Jahren Forschung in den Bereichen Neurodiversität, Sinnesverarbeitung und kognitives Wohlbefinden hat sich gezeigt, dass Akustik am häufigsten genannt wird. Dabei geht es nicht darum, Bereiche geräuschlos zu machen, sondern um die Verbesserung der Schallabsorption. Ein weicher Bodenbelag reduziert den Schallpegel. Schritte werden leiser, und es entsteht ein wärmeres, angenehmeres Raumgefühl.
Der Bodenbelag spielt auch eine wichtige Rolle dabei, sich zu orientieren und Zonen zu definieren. Die Verwendung verschiedenartiger Muster oder Materialien hilft dabei, sich in Räumen zu orientieren, besonders in offenen Bereichen. Dabei kommt es auf ein ausgeglichenes Verhältnis an: Zu viel harter Bodenbelag kann zu akustischen Problemen führen, aber zu viel Teppichboden kann ebenfalls Nachteile haben. Die beste Herangehensweise besteht darin, den Bodenbelag strategisch zur Verbesserung von Akustik, Orientierung und Komfort zu nutzen.
Noch ein Punkt: KI kann Räume schaffen, die ansprechend aussehen. Häufig zieht sie aber nicht in Erwägung, wie sich Menschen in diesen Räumen fühlen würden. Bodenbelag und Beleuchtung sind zwei Bereiche, in denen menschliches Urteilsvermögen nach wie vor unverzichtbar ist.
2/ Was ist das wichtigste Material oder Element, das Designschaffende beim Entwurf eines Arbeitsbereichs betrachten sollten?
Farbe ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte. Natürliche Farbtöne, Texturen und Muster schaffen ein organischeres und komfortableres Raumgefühl. Grellweiße Umgebungen, die es in der Natur kaum gibt, können dies nicht.
Boden- und Wandbeläge spielen hier eine wichtige Rolle. Mit einem einzelnen Teppich oder einem veränderten Bodenbelagsmuster lassen sich Bereiche definieren, was uns bei der Orientierung hilft und verhindert, dass es sich anfühlt, als ob das Interieur in einer undefinierten Umgebung schwebt, statt „geerdet“ zu wirken. Die bewusste Nutzung von Farbe, Textur und Bodenbelag hilft, Räume zu schaffen, die gleichzeitig natürlich und strukturiert wirken.
3/ Was sollten wir bei der Entwicklung von Teppichfliesen und Bahnenware in den kommenden 15 bis 20 Jahren im Hinblick auf ihren Lebenszyklus und ihre Kreislauffähigkeit bedenken?
Die Art und Weise, wie in der Arbeitswelt heutzutage mit dem Interieur umgegangen wird, ist nicht nachhaltig. In Unternehmensprojekten wird weiterhin häufig alles entsorgt und durch Neuware ersetzt, auch wenn viele Materialien eigentlich noch viele Jahre lang genutzt werden könnten. Dies führt zu unnötiger Verschwendung und hohen Kosten.
Wir sollten uns stattdessen darauf konzentrieren, die Lebensdauer der Materialien zu verlängern. Heutzutage sind zahlreiche Bodenbeläge auf lange Haltbarkeit ausgelegt, und Strategien wie das Rotieren von Teppichfliesen oder die Erneuerung nur bestimmter Bereiche kann ihre Nutzungsdauer erheblich verlängern.
Sich für Nachhaltigkeit einzusetzen heißt auch, Gewohnheiten neu zu überdenken. Statt Materialien zu früh zu entsorgen, sollten wir versuchen, sie wiederzuverwenden, einem neuen Zweck zuzuführen und sie am Ende ihrer Lebensdauer zu recyceln. Ziel ist dabei die Schaffung einer Kreislaufwirtschaft, bei der die Materialien für die Herstellung neuer Produkte genutzt werden und auf diese Wiese so lange wie möglich in der Nutzung verbleiben.
Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Zusammenhang vieles einfach Gewohnheit ist. In unserer Zeit müssen wir den Gedankengang mit einbeziehen, wie wir Produkte am Ende ihrer Lebensdauer weiter nutzen können. Das ist wirklich wichtig. Idealerweise sollten wir dabei einen geschlossenen Kreislauf anstreben.
4/ Stephen Hawking hat gesagt, die beiden größten Bedrohungen der Menschheit seien ein großer Asteroid und autonome KI. Wie ist Ihre Meinung dazu?
KI erzeugt sowohl Optimismus als auch Bedenken. Wer die kommenden fünf Jahre im Blick hat, sieht eher positive Potenziale, während Menschen, die vierzig Jahre in die Zukunft blicken, KI oft als existenzielles Risiko ansehen.
Die wirkliche Herausforderung besteht darin, dass wir nicht genau wissen, wohin diese Technologie führen wird. Zwar nutzen viele Menschen KI mit guten Absichten, aber schon wenige böswillige Akteure können mit leistungsfähigen Werkzeugen schwerwiegende Probleme schaffen. Gleichzeitig beginnen viele Organisationen aus purer Angst, hinter der Entwicklung zurückzubleiben, KI übereilt zu nutzen, ohne sich dabei über die Folgen im Klaren zu sein.
Der wichtigste Faktor hierbei ist, neugierig zu bleiben und die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz auszuloten, sie dabei aber bewusst und verantwortungsvoll zu nutzen. Bei der Beantwortung der Frage, wann und wie KI eingesetzt wird, bleiben menschliches Urteilsvermögen und kritisches Denken unverzichtbar.