Welche Rolle spielen Architektur und Design heute und in Zukunft? So lautete die zentrale Frage unserer modulyss Talks zur Clerkenwell Design Week 2026. In vier Veranstaltungen teilten Expertinnen und Experten neue Perspektiven zur Gestaltung von Räumen, die Menschen miteinander verbinden, individuelle Bedürfnisse berücksichtigen und Lösungen für aktuelle Herausforderungen bieten. Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.
Transparenz beginnt durch kritisches Hinterfragen
Samantha Allen von M Moser Associates erläutert, warum die Zukunft des nachhaltigen Designs nicht auf Marketingversprechen beruht, sondern auf Transparenz, Verantwortung und Messbarkeit.
Das Wichtigste in Kürze:
- Nachhaltigkeit entwickelt sich vom Storytelling hin zur Berichterstattung
Stakeholder wollen keine ehrgeizigen Absichtserklärungen, sondern nachweislichen Fortschritt. - Daten müssen verlässlich sein
EPDs, Zertifizierungen und Materialdaten spielen eine wesentliche Rolle. Der Vergleich von Produkten gestaltet sich aufgrund unterschiedlicher Berichterstattungsmethoden jedoch schwierig. - CO2 ist lediglich einer von vielen Faktoren
Neben grauen Emissionen sind haben Designschaffende auch Faktoren wie Toxizität, eine gesunde Raumumgebung, Recyclingfähigkeit und Wohlbefinden zu berücksichtigen. - Größte Hebel zuerst nutzen
Wände, Böden und Decken machen oft den größten Materialanteil innerhalb eines Projekts aus. Kleine Verbesserungen in diesen Bereichen können zu einer erheblichen Verringerung der Umweltbelastung führen. - Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg
Transparenz in jeder Phase, von der Beschaffung für die Fertigung eines Produkts bis zum Ende seiner Lebensdauer, wird zum neuen Standard. - An den nächsten Lebenszyklus denken
Kreislaufgerechtes Planen beginnt damit, bereits bei der Produktauswahl zu berücksichtigen, wie Materialien und Bauteile später wiederverwendet, zurückgewonnen oder recycelt werden können. - Nachhaltigkeit liegt in der Verantwortung aller
Echter Fortschritt gelingt nur dann, wenn Hersteller, Architekten, Bauunternehmer und Kunden zusammenarbeiten. Die Verantwortung kann nicht bei einem einzigen Akteur liegen. - Bessere Daten führen zu besseren Entscheidungen
Stellen Sie Fragen. Transparenz dient nicht dazu, nachzuweisen, dass eine Entscheidung richtig war. Sie schafft die Grundlage dafür, dass andere künftig ebenfalls bessere Entscheidungen treffen können.
Vielfalt als Kernkriterium der Raumgestaltung
Savannah Willits von PLP Architecture zeigt, wie Architektur an Relevanz und Identität gewinnt, wenn sie auf die Menschen, Kulturen und Gemeinschaften vor Ort reagiert.
Das Wichtigste in Kürze:
- Gutes Design ist kontextbezogen
Gebäude stehen nie für sich allein. Die besten Ergebnisse werden dort erzielt, wo Räume auf die Nutzer, Tätigkeiten und Kultur vor Ort ausgelegt sind. - Je konkreter der Bezug, desto größer die Resonanz
Je stärker ein Raum auf seinen Kontext eingeht, desto leichter fällt es Menschen, sich mit ihm zu identifizieren. - Innovation lebt von unerwarteten Begegnungen
Die besten Ideen entstehen oft dort, wo unterschiedliche Disziplinen, Perspektiven und Expertisen aufeinandertreffen. - Wahlmöglichkeiten verbessern die Nutzungserfahrung
Die optimalen Bedingungen für Arbeit, Kommunikation und Erholung sind für jeden Menschen anders. Ein Raum, der diesbezüglich verschiedene Optionen bietet, ermöglicht es, den Arbeitsalltag auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. - Flexibilität verlängert die Lebensdauer von Gebäuden
Teams verändern sich. Haushalte wachsen oder werden kleiner. Räume, die sich an aktuelle Umstände anpassen können, bleiben länger relevant. - Technik soll dem Menschen dienen, nicht umgekehrt
Digitale Tools können dabei helfen, Komfort individuell zu gestalten, das Wohlbefinden zu steigern und alltägliche Abläufe zu vereinfachen.
Architektur jenseits der Funktion
Subharthi Guha von Zaha Hadid Architects geht der Frage auf den Grund, wie Architektur Identität, Kultur und menschliche Verbindungen prägt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Gute Architektur geht über Problemlösung hinaus
Funktionalität ist wichtig. Ein Raum, der fasziniert und in Erinnerung bleibt, bietet jedoch oft noch mehr. Er inspiriert, provoziert und schafft eine dauerhafte emotionale Bindung. In einen solchen Raum kehren die Menschen gerne zurück. - Orte prägen die kollektive Identität
Gebäude und öffentliche Räume tragen zur Geschichte einer Gemeinschaft bei. Die Architektur hat einen Einfluss darauf, wie Menschen einen Ort erleben und in Erinnerung behalten. - Design kann menschliche Verbindung schaffen
Ob Arbeitsplatz, Verkehrsknotenpunkt, Stadion oder öffentlicher Platz: Eine wohlüberlegte Gestaltung schafft Räume für Begegnung, Austausch und gemeinsame Erlebnisse. - Öffentliche Räume sind wichtiger denn je
Mit dem Wachstum und der Weiterentwicklung von Städten gewinnt die Qualität der zwischen den Gebäuden liegenden Flächen zunehmend an Bedeutung. Dies sind die Orte, an denen sich das soziale Leben einer Stadt entfaltet. - Kultur ist etwas, das wir schaffen
Architektur bildet Kultur nicht nur ab, sondern prägt sie aktiv mit. Die gestalterischen Entscheidungen, die wir heute treffen, beeinflussen die Lebenswelt künftiger Generationen. - Ambition treibt Innovationen voran
Fortschritt entsteht selten durch Wiederholung des Altbekannten. Wirklich zukunftsweisend sind jene Projekte, die Konventionen infrage stellen und neue Denk-, Arbeits- und Lebensweisen eröffnen. - Städte leben vom Miteinander
Ob Nachbarschaft oder Weltstadt: Das menschliche Miteinander ist eine der stärksten Triebkräfte für Kreativität, gesellschaftlichen Fortschritt und die Schaffung neuer Möglichkeiten.
KI in der Architektur: Unterstützung statt Ersatz
Aus der Perspektive von Architektur, digitaler Innovation und computergestütztem Design widmete sich unser Panel der Frage, wie künstliche Intelligenz den Berufsstand verändert und was dies für die Zukunft des Designs bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze:
- Technologie sollte Kreativität unterstützen
Richtig eingesetzt kann KI Arbeitsabläufe beschleunigen, neue Ideen generieren und mehr Freiraum für gestalterisches Erforschen und Innovation schaffen. - Menschliches Urteilsvermögen ist nach wie vor wesentlich
Der Nutzen von KI hängt davon ab, wie sie eingesetzt wird. Kritisches Denken, Erfahrung und gestalterische Kompetenz sind weiterhin unersetzlich, wenn es darum geht, Ideen zu bewerten und Entscheidungen zu treffen. - KI sorgt für mehr Chancengleichheit
Hochwertige Visualisierungen werden immer leichter zugänglich. Dadurch können kleinere Büros ihre Konzepte heute mit derselben Klarheit und Wirkung präsentieren wie große Planungs- und Architekturbüros. Entwürfe werden somit zunehmend nach ihrer Qualität beurteilt, nicht nach dem für Renderings zur Verfügung stehenden Budget. - Schöne Bilder bedeuten nicht immer besseres Design
Mit KI lassen sich innerhalb von Sekunden überzeugende Visualisierungen erstellen. Dabei besteht die Gefahr, dass sich Kunden stärker auf das Bild als auf die dahinterstehende Idee konzentrieren. Ein eindrucksvolles Rendering sollte ein starkes Konzept untermauern, nicht die Schwächen eines Entwurfs kaschieren. - Die Zukunft liegt in der Kooperation
Die besten Ergebnisse entstehen, wenn menschliche Kreativität und die Möglichkeiten der Technik miteinander kombiniert werden. Eine solche Herangehensweise ermöglicht es Designschaffenden, effizienter zu arbeiten, ohne dabei die menschliche Perspektive zu verlieren, die der Architektur ihre Sinnhaftigkeit verleiht.
Highlights der Clerkenwell Design Week
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